Hier finden Sie eine Auswahl an österreichischen und internationalen Pressestimmen und Artikeln zur Wiener Tschuschenkapelle:

 

„Die Balkan-Formation um Frontman Slavko Ninic, (...), mit hoher musikalischer Qualität, Herzlichkeit und immer einem Schuss Humor versehen.“
(Concerto)

 

„Die Wiener Tschuschenkapelle lässt mit Balkan-Groove und Wiener Klängen die Herzen höher schlagen“
(Wiener Bezirksblatt)

 

„Gegen Ressentiments spielt die Wiener Tschuschenkapelle an. Das Publikum war begeistert. Kein Wunder, Gefühle sind eben international.“
(Nürnberger Nachrichten)

 

„Heute, da mit einer Mischung aus berechtigter Sorge und rassistischer Überheblichkeit auf die südslawischen Völker geschaut wird, mehr denn je nötig (und zugleich musikalisch höchst erfreulich) ist eine neue CD der Wiener Tschuschenkapelle.“
(Frankfurter Rundschau)

 

„...kein Geringerer als John Eliot Gardiner lud das Sextett ein, zusammen mit den Wiener Philharmonikern eine Platte zu machen. Ein Ritterschlag für eine Musik, die normalerweise im Kaffeehaus erklingt, und ein Zeichen für jene, die Tschuschen am liebsten aus dem sauberen Österreich hinausbugsieren wollen.“
(Süddeutsche Zeitung)

 

„Diese Band (...) beweist bei jedem ihrer Auftritte, dass ein Zusammentreffen der verschiedenen Nationalitäten auch ganz ohne Streit und Hass erfolgen kann.“
(Täglich Alles, Wien)

 

„Erstmals musizierten also die Wiener Philharmoniker mit der Wiener Tschuschenkapelle. Auch das in größter Harmonie.“
(Die Presse)

 

„Mit leichten Jazzanklängen, witzigen Arrangements und technischer Perfektion frischten sie die Balkanweisen auf und schlugen eine Brücke zwischen traditioneller und moderner Musik.“
(Südwestpresse)

 

 

 

 

Die Zeit., #13, 23. März 2017

 

"Tschusch und auch noch stolz darauf"

Gastarbeiter in Wien

von Judith E. Innerhofer

Wo Wien am wienerischsten ist, wird der Balkan lautstark bejubelt. "Natürlich haben wir das vertschuscht, so im Sieben-Achtel-Takt", feixt Slavko Ninić von der Bühne, bevor er den vier Bandkollegen seiner Wiener Tschuschenkapelle den Einsatz zu einer neuen Nummer gibt. Applaus brandet auf – in einem Publikum, das mindestens so urig wirkt wie die fast ausverkaufte Konzertstätte dieses Sonntagabends, das Schutzhaus Zukunft inmitten der Schrebergartenenklave auf der Schmelz.

Tschusch, das ist die abfällige Schmähung, mit der schon in den sechziger Jahren die erste Welle der Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien in Österreich begrüßt wurde. Slavko Ninić hat sie, ganz nach der Methode der subversiven Selbstermächtigung, zu seinem Markenzeichen zweckentfremdet, als handelte es sich um einen honorigen Titel. Vor 28 Jahren gründete der gebürtige Kroate, der meist mit schwarzem Hut und roter Krawatte auftritt, die Wiener Tschuschenkapelle, eine Combo, die lange vor dem musikalischen Balkanboom und dem wildromantischen Ethno-Kino von Emir Kusturica dem Sound Südosteuropas zu Kultstatus verhalf. Als Frontmann, der mit Schmäh und leicht slawischem Akzent das Bühnenprogramm moderiert, wird der 63-jährige Ninić verehrt – weniger von der migrantischen Community, mit der man ihn verbindet, als von einem bürgerlich-österreichischen Publikum. Es gibt eine eingeschworene Fangemeinde und 13 Alben, Auftritte bei Staatsakten, in der Oper und mit den Wiener Philharmonikern. Bei Tourneen und Konzerten zwischen Simbabwe und New York werden die Tschuschen als Kulturbotschafter aus Wien angekündigt. Ninić gilt in solchem Rahmen gern als Vorzeigeexemplar des integrierten Ex-Gastarbeiters – und ist alles andere als das. Die Zuschreibung entspringt meist mehr dem Wunschdenken all derjenigen, die sie bemühen. Nicht einmal Ninić sieht sich als Rolemodel. Denn der Tschusch, der in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, bleibt noch immer ein Sonderfall.

"Das Wort Tschusch hat zumindest dieses Gift verloren", sagt Slavko Ninić. "Ich glaube, das ist auch durch uns geschehen, durch den alltäglichen Gebrauch, wenn in den Zeitungen und im Fernsehen über uns berichtet wurde." Ninić weiß, wie das mit den Tschuschen in Österreich früher war. Wie beleidigt er selbst war, als ihn, der in jungen Jahren gerade in Wien gestrandet war, eine Freundin Tschusch nannte. Oder einige Jahre später, als der Bandname auch fortschrittliche Geister gehörig verstörte: "Der Gewerkschaftsbund wollte uns lange nicht engagieren. Die haben geglaubt, dass sie ihre ausländischen Kollegen beleidigen", erinnert sich Ninić.

Der Geruch frisch aufgegossener Pfefferminzblätter zieht durch die Wohnung am Rand des siebten Wiener Bezirks, in der Ninić mit dem jüngeren seiner beiden Kinder lebt. Drei Gitarren hängen am Ständer, auf einer rustikalen Holzanrichte stehen Flaschen mit klarem Sliwowitz, den er mit Freunden im Sommerurlaub in Kroatien brennt. Gardinen und Möbel der Wohnung erzählen, dass Ninić schon viele Jahre hier lebt.

Im Sommer 1972, als der damals 18-jährige Kroate zum ersten Mal nach Wien kam, hauste er weit weniger komfortabel: 14 Männer in einem Zimmer mit Küche, Gangklo und Bassena. Eine typische Gastarbeiterwohnung dieser Zeit, zur Verfügung gestellt durch die Baufirma von Richard Lugner, bei der Ninić angeheuert hatte. Als Ausbeutung habe er das aber nicht betrachtet, im Gegenteil: "Wir hatten richtig viel Spaß in dieser Zeit."

 

Diese Wahrnehmung hat auch damit zu tun, dass die Geschichte vom typischen Gastarbeiter, der sein Glück in Österreich versucht, auf Slavko Ninić so nicht zutrifft. Aufgewachsen in einem Dorf ganz im Osten des heutigen Kroatiens, nahm er den Job am Bau nur deshalb an, um nach der Matura "etwas zu erleben". Er habe "die Nase voll von den Bücherwelten" gehabt. Der Ausflug in die Hacklerwelt dauerte vier Monate, "dann hat es mir wieder gereicht". In Wien begann er ein Dolmetscherstudium, ging nach zwei Jahren nach Zagreb, studierte Soziologie, kam der Liebe wegen 1979 wieder nach Österreich – und blieb.

Deutsch hatte der Bauernsohn schon als Jugendlicher gelernt. Drei Jahre lang besuchte er in einer Art Austauschprogramm mit anderen Kindern aus dem damaligen Tito-Staat ein katholisches Internat am Bodensee. Bis heute arbeitet er in Wien auch als gerichtlich beeideter Dolmetscher für Kroatisch, Serbisch und Bosnisch. "Das ist mein Nebenjob", sagt er, "oder manchmal auch der Hauptjob." Es ergänze sich jedenfalls gut: "So bin ich nicht angewiesen, musikalisch jeden Blödsinn mitzumachen."

 

"Unter Gastarbeitern waren wir lange Jahre unbemerkt"

Entstanden ist sein Ensemble in den achtziger Jahren. Ninić arbeitete in einer Beratungsstelle für Ausländer und begann, mit einem Kollegen aus der Türkei und einem aus Wien die Lieder ihrer jeweiligen Heimat zu spielen. Das kam im Milieu der Intellektuellen und Kulturschaffenden rasch gut an. 1989 wollte es der Soziologe wissen: Lässt sich das auch professionell betreiben? Ein Bandname musste her, und eines Nachts, so die Legende, habe jemand in einem linken Beisl am Naschmarkt gerufen: "Nennts euch doch Tschuschen, weil Tschuschen seids eh!"

Seit fast zehn Jahren stehen neben dem Kroaten Ninić ein Roma, eine Bulgarin, ein Mazedonier und ein Serbe auf der Bühne. Auch in früheren Besetzungen hatten die Berufsmusiker meist Wurzeln in südosteuropäischen Staaten und brachten das Erbe ihrer Herkunftsregion ein. Das Programm reicht von griechischem Rembetiko, Volksliedern aus Slawonien, osmanischen Weisen, Roma-Musik, bosnischer Sevdalinka bis zu Wiener Liedern. Die Interpretation geht über Folklore hinaus, dennoch sagt Ninić: "Die Crossovers habe ich nie mögen. Ein griechisches Lied soll klingen, als wenn das Griechen spielen".

Wenn Ninić über seinen Zugang zur musikalischen Tradition spricht, erklärt er das gern mit Hegels dialektischer Aufhebung. Vom ruralen Slawonien seiner Kindheit erzählt er mit Verweisen auf Filme von Fellini und Bertolucci. In seiner Bücherregalwand reihen sich Werke von Homer bis Bertrand Russell, zwischen Notenblättern liegt die Hausaufgabe für seinen Griechischkurs. Der Kopf der Tschuschen ist ein Intellektueller, der zwar keine ideologischen Texte schreibt, seine Musik jedoch von Anfang an als politisches Statement verstand. "Aber nicht mit dem Zeigefinger", betont er. "Schon durch den Namen hatten wir den ersten Lacher immer auf unserer Seite, das nimmt den anderen die Munition."

An einem Donnerstagabend, 22.20 Uhr, bahnt sich Ninić den Weg zu seiner Band. Es ist brechend voll im verrauchten Beisl vor der Kleinkunstbühne Kulisse in Wien-Hernals. Spritzer und Schnitzel werden herumgetragen, bald bildet sich ein Kreis, der ausgelassen drauflostanzt. Die Musiker kriegen Schubser ab, stören lassen sie sich davon nicht. Einmal im Monat spielt die Tschuschenkapelle unplugged in der Kulisse, Eintritt frei, Setlist nach Lust und Laune. Das Publikum ist bunter als beim Konzert in der Kleingartensiedlung, 16-Jährige kommen genauso wie ihre Großeltern, Menschen aus dem bürgerlich-liberalen Wien und immer öfter auch Leute, die wie die Bandmitglieder andere Sprachen sprechen. "Unter Gastarbeitern waren wir lange Jahre unbemerkt", sagt Ninić. "Erst viel später haben wir auch in der Ausländerszene Fuß gefasst." Einerseits weil die Band bekannt wurde. Aber auch, so Ninić, "weil die intellektuellere Schicht unter den Ausländern wächst".

Andererseits will sich Ninić mit dem 14. Album der Band, an dem er gerade arbeitet, noch mehr der Kultur seiner neuen Heimat annähern. Auf der Platte soll erstmals ausschließlich Musik aus Österreich zu hören sein. Einzelne Wiener Lieder oder Kärntner Volksweisen werden freilich längst gespielt, "das wird von uns fast schon irgendwie erwartet".

Es mag sein, sagt Slavko Ninić, dass die offiziellen Anlässe, zu denen seine Tschuschenkapelle gern geladen wird, zuweilen nur ein Feigenblatt sind, mit dem eine Multikulturalität vorgegaukelt werden soll, die so gar nicht existiert. Ausgrenzung und Spaltung entlang ethnischer Trennlinien weiten sich gerade wieder aus. Und doch scheint parallel dazu jenes Österreich gewachsen zu sein, das ein Slavko Ninić verkörpert. Zumindest kulturell, das ist seine Beobachtung, sei seine Stadt, Wien, Zug um Zug offener geworden. Dass der Tschusch ein wenig von seinem gehässigen Beigeschmack verloren hat, mag ein Beispiel sein. Slavko Ninić hat jedenfalls dafür gesorgt, dass sich heute das Land mitunter ganz gern mit seinen Tschuschen schmückt.

 

 

Artikel nachzulesen bei ZEIT ONLINE http://www.zeit.de/2017/13/gastarbeiter-wien-slavko-ninic-kapelle

(Letzter Aufruf: 09/05/2017)

 

 

Der Standard, 14./15. 5. 2016

Schnitzelsounds querbeet

Von Gerhard Dorfi

 

Unter dem Motto "Wir sind Österreich" präsentiert das Linzfest bis Montag heimische, dabei international schmeckende Feinkost von der Wiener Tschuschenkapelle über Russkaja bis Clara Luzia Linz – Zentrales Thema der heurigen Ausgabe des dreitägigen Linzfests ist der Einfluss von Einwanderern aus verschiedenen Teilen der Welt auf die heimische Kultur. Unter dem Motto "Wir sind Österreich" werden Sounds und kulinarische Schmankerln mit "ausländischen" Wurzeln präsentiert, die unsere Kultur prägen und beeinflussen. Am Montag beweist das etwa die Wiener Tschuschenkapelle: Integration ist für deren Bandleader, den Wiener Kroaten Slavko Ninic, kein Fremdwort. Schließlich praktiziert er mit Musikerkollegen die Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen auf spielerische Art bereits seit 1989. Gern stehen ihre Konzerte unter dem Motto "Mir san net nur mir". Was als österreichisch-türkisch-jugoslawisches Trio bei einem Geburtstagsfest begann, ist heute mit wechselnden Besetzungen ein Musterbeispiel für Weltmusik: Balkanesisch-Orientalisches, Rembetiko, Zigeunerjazz, Wienerlieder. Und wenn das Quintett ein balkanesisches Volkslied wie O Marijana spielt, erinnert das stark an burgenländische oder Oberkrainer Heimatklänge.

 

 

 

 

Augustin, Die erste österreichische Boulevardzeitung., Nr. 404, 7.1. – 19.1. 2016
Lokalmatador Nr. 355: „Eigene Republik“
Slavko Ninić führt seit vielen Jahren mit seiner Tschuschenkapelle alte Klischees ad absurdum
Von Uwe Mauch

 

Soundcheck in einer Parkanlage in Hernals. Seine Band spielt sich bereits seit Längerem auf der Bühne ein. Der Mann mit dem schwarzen Hut und dem bühnenerprobten Anzug sitzt indes noch immer ruhig auf der Parkbank und gewährt bereitwillig Einblicke in sein Leben: Es ist ein abwechslungsreiches Leben, das sich an verschiedenen Orten Europas entfalten konnte, und das uns eine Idee davon gibt, wie die Europäische Union als Begegnungszone unterschiedlicher Kulturen funktionieren könnte.
Dann deutet Slavko Ninić auf die Bühne, und sagt stolz: „Unsere Schlagzeugerin, die Maria, ist Bulgarin. Unser Bassist, der Jovan, ist Serbe. Hidan, der junge Mann mit der Klarinette, ist Mazedonier. Der Akkordeonspieler Mitke ist Rom. Und ich selbst bin Kroate.“
Jeder Musiker der Wiener Tschuschenkapelle sei seine „eigene Republik“. Und weil all diese Republiken im Laufe der Jahrhunderte von den Türken beeinflusst wurden, klingt die gut eingespielte Kapelle immer auch ein wenig orientalisch. „Wir lieben und spielen die Musik von verschiedenen Völkern und Kulturkreisen“, erklärt der Chefjugo, bevor er mit der Gitarre die Bühne erklimmt. Weil er selbst aus Slawonien stammt, klingt nun das alte dalmatinische Volkslied aus Ston, das er anstimmt, nicht zwangsläufig genauso wie an der Adria. Deutlich zu hören und zu sehen: Das Multinationale macht ihm nicht Angst, er empfindet und interpretiert es als Bereicherung.

Aufgewachsen ist Slavko Ninić in einem Dorf im Osten Slawoniens, nicht weit entfernt von der Donau und den kleinen Städten Vukovar und Vinkovci. Die Bewohner_innen seines Dorfs, die bei der Feldarbeit gerne und viel gesungen haben, waren fast ausschließlich Kroat_innen; dafür lebten im Nachbardorf mehrheitlich Serb_innen. Doch in seiner Kindheit war das noch nicht so wichtig. Auch uns Schwabos war das egal, der Einfachheit halber waren für uns alle Serb_innen und Kroat_innen Jugos.
Bei den Schwabos ging er übrigens ins Gymnasium, in einem katholischen Internat beim Bodensee. „Ständig Kartoffeln und Sauerkraut, das war schon eine Umstellung für mich“, erinnert sich der Mann aus der Kornkammer Kroatiens. Nach der Matura habe er in Wien ein Dolmetschstudium begonnen: „Doch das war mir irgendwie zu wenig.“ Auch konnte man als Neuankömmling in Wien Mitte der 1970er-Jahre bald einmal zu der Erkenntnis gelangen, dass die Menschen in dieser Stadt mehr mit sich selbst beschäftigt waren als mit ihren Nachbar_innen, die andere Sprachen sprachen.
Er ging dann nach Zagreb. Das Soziologie-Studium an der Philosophischen Fakultät habe ihn mehr fasziniert: „Im Studentenheim haben wir oft nächtelang diskutiert – und die Welt verbessert.“ Seine Rückkehr nach Wien folgte einem großen menschlichen Motiv, der Liebe. Die Liebe zu Wien ist ihm bis heute geblieben. Damals war auch die Unwortschöpfung Wirtschaftsflüchtling noch nicht erfunden. Als mehrsprachiger Sozialwissenschafter hat er seinen Landsleuten in der so genannten „Ausländerberatungsstelle“ geholfen. Und dort auch mitbekommen, dass Wien grausig sein kann, im Umgang mit Menschen aus dem Südosten.

Tschuschenkapelle. Der Name sei passiert, und ist dennoch nicht zufällig. Ninić erinnert sich: „Wir sind im Kaffeehaus gesessen und haben laut über einen Namen für unsere Band nachgedacht. Dann hat jemand Tschuschenkapelle gesagt, und das ganze Kaffeehaus hat gelacht.“ Selbstironie, die feinste Form der Ironie: „Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, musste ich immer noch schmunzeln. Von dem Zeitpunkt war klar, dass wir so heißen.“
Tschuschen sind für jene Wiener_innen, die in Anderssprachigen sofort eine Bedrohung sehen wollen, Menschen zweiter Klasse. Slavko Ninić setzt sich so betrachtet als paradoxe Intervention in Szene. Denn wenn er spricht, singt und tschechert, ist er nicht nur Tschusch, sondern immer auch Wiener, und Europäer.
Längst sind die neuen Menschen zweiter Klasse ausgemacht. Menschen auf der Flucht vor einem grausamen Krieg, mit einem anderen Glaubensbekenntnis. Ninić wünscht sich einen aufgeklärteren Umgang: „Wir sind alle gleich viel wert und wir sind gleich vor Gott. Es gibt daher keinen Grund, einen Anderen klein zu machen und zu diskriminieren.“

Tagsüber arbeitet er als Dolmetscher bei Gericht. Auch als Musiker hilft er, zwischen den Kulturen zu vermitteln. Mit der Tschuschenkapelle hat er bis dato 14 CDs produziert. Mehr als 1000 Mal stand er mit Hut und Anzug auf der Bühne, nicht nur in der Wiener Staatsoper, auch in Brasilien oder in Marokko. „Und das als Hobbymusiker“, sagt er nach dem Konzert im Park.
Ist er stolz darauf? Er nickt: „Ich hab’ am Anfang nicht damit gerechnet. Aber es ging sich bisher immer aus.“ Mit seinen Musikern verbindet ihn eine jahrelange Freundschaft: „Wir können noch immer etwas miteinander anfangen.“

PS.: Jeden zweiten Donnerstag im Monat lädt die Wiener Tschuschenkapelle zur gemeinsamen Session in die Kulisse („Da wird es schnell einmal halb vier Uhr in der Früh.“) Und am 1. Jänner ab 18 Uhr tritt die Gruppe wieder beim etwas anderen Neujahrskonzert im Volkstheater auf, dieses Mal gemeinsam mit Roland Neuwirth.

 

 

SAN, Magazin sa perspektivom / Magazin mit Perspektive, Erste Ausgabe, Oktober 2014

Fünfundzwanzig Jahre „Wiener Tschuschenkapelle“

Nach 25 Jahren kehrte die Band an ihren allerersten Auftrittsort zurück um ihren erfolgreichen Weg zu feiern

Von Ile Zagorac

 

25 Jahre ist es her, dass der damals flotte Dreißiger Slavko Ninić die Tschuschenkapelle gründete. Der Soziologe und Übersetzer begann schon im Jahre 1985 sein Hobby - die Musik - zum Beruf zu machen. Slavko Ninić ist zum Studium nach Wien gekommen. Der wissbegierige Student interessierte sich für Politik und Sprachen. Man ging ins Kleine Cafe und ins Alt Wien, um zu diskutieren. An der Gitarre klimperte man so nebenbei. In den Diskotheken liefen Platten von den Stones, Jimi Hendrix, the Doors etc. Multikulti oder Balkansound waren damals Fremdwörter. Engagierte Sozialarbeiter und Weltverbesserer trafen sich aber auch gerne bei Zoran im „Makedonija“, einem Balkanbeisl in der Nähe des Naschmarktes. Hier saßen auch die Gründungsmitglieder der Tschuschenkapelle gerne zusammen. Slavko Ninić, Haydar Sari und Franz Fellner - Kroatien, die Türkei und Oberösterreich, musikalisch vereint.
Vor genau 25 Jahren starteten Slavko Ninić und seine Band im Theater Akzent das Abenteuer Balkan, ohne zu wissen, was sie tatsächlich erwarten wird. In der Folge sang sich Slavko mit sonorem Bariton durch Pannonien, die Länder des ehemaligen Jugoslawien, den südlichen Balkan und die Türkei, Simbabwe und Mozambique, Marokko, Brasilien und von Belgien bis Italien. Die mitreißenden, an Herz und Seele gehenden Lieder wurden mit so viel Wärme vorgetragen, dass man sich anstatt der Pulsader, dann doch noch eine Flasche Raki öffnen musste.
Mit ihrer neuen Besetzung ist die Wiener Folk-Institution „Tschuschenkapelle“ noch weiter in den Süden vorgedrungen, dorthin, wo der Balkan am balkanischsten klingt. In Österreich zählt die Wiener Tschuschenkapelle ohne Zweifel zu den Pionieren des Balkan-Folks.
Und es sagte mal einer, zu Wien gehöre die Tschuschenkapelle, wie der Schlag auf den Apfelstrudel. Auf den verzichten die „Weaner“ nämlich genauso ungern wie mittlerweile auf die eigenen „Weaner Tschuschen“.
Die SAN Redaktion wünscht der Wiener Tschuschenkapelle alles Gute zum 25. Jubiläum! Živjeli „Tschuschi“! Es leben die Tschuschen!

 

 

wien.orf.at, 2014
Tschuschenkapelle feiert doppelt


Die Wiener Tschuschenkapelle hat gleich zwei Gründe, um zu feiern: Die Band wird 25, Bandleader Slavko Ninic 60 Jahre alt. Der Band ist es gelungen, das Schimpfwort „Tschuschen“ als Synonym für hochwertige Weltmusik umzudeuten.
Die Wiener Tschuschenkapelle steht nicht nur für Ethno-Musik, sie stand immer auch für Völkerverbindung und Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit. Der am 3. Februar 1954 in Komletinci (Kroatien) geborene Slavko Ninic begann seine Laufbahn in Österreich in den 1970er Jahren wie ein typischer „Tschusch“, wie er immer wieder selbst sagt: als Arbeiter bei der Baufirma von Richard Lugner.
„Tschuschen seid’s eh“
Um sich vom abwertenden „Tschuschen“-Image zu befreien, begann er einerseits zu studieren und gründete andererseits eine Musikgruppe, die das fremdenfeindliche Schimpfwort ironisierte, indem sie es für sich selbst in Anspruch nahm. Anfang der 1980er Jahre war er als Berater für Gastarbeiter im Wiener Zuwanderungsfonds tätig. Im Rahmen dieser Beschäftigung gestaltete und moderierte er auch eine Gastarbeitersendung im ORF. Heute ist Ninic diplomierter Soziologe und Dolmetscher und Besitzer der österreichischen Staatsbürgerschaft.
Während seiner Tätigkeit in der Beratungsstelle für ausländische Arbeitnehmer traf er einen türkischen und einen österreichischen Kollegen, mit denen er in der Pause musizierte - die Tschuschenkapelle war geboren. Ninic beschrieb die Namensfindung in zahlreichen Interviews folgendermaßen: „Wir hatten die Band, aber keinen Namen dazu. Also haben wir herumg’scheitelt, und da hat im Wirtshaus irgendwer gemeint: ‚Nennt’s euch Tschuschenband, weil Tschuschen seid’s eh‘.“
In der Wiener Tschuschenkapelle spielen und spielten Österreicher zusammen mit ausländischen Musikern, vor allem vom Balkan, aus Süd- und Osteuropa mit wechselnder Besetzung. Ninic selbst - immer mit Hut - spielt Gitarre, singt und moderiert. Das Repertoire besteht aus traditionellen und komponierten Liedern der Balkanländer, Serenaden des Mittelmeeres, türkisch-orientalen und russischen Weisen, griechischem Rembetiko, Gypsy-Jazz und der bosnischen Sevdalinka. Aber auch das Wiener Lied wurde integriert, und ja sogar mit den Wiener Philharmonikern in der Staatsoper ist die Gruppe schon aufgetreten.
Insgesamt zwölf CDs hat die Wiener Tschuschenkapelle in den 25 Jahren ihres Bestehens heraus gebracht. Die fünfte, „live ...und davon“, wurde in der Rubrik „Ethno, world“ mit dem renommierten Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Die jüngste CD „Donauinselfest 2013“ ist ein Live-Mitschnitt ihres Konzerts im Vorjahr. Das bisher letzte Studioalbum („Haus am Wasser“) erschien anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums Ende 2009.
In ihrem 20. Jahr entstand auch Wolfgang Beyers Dokumentarfilm „Balkan Blues“, der die Truppe auf ihrer ersten Tour durch jene Länder begleitete, aus denen ihre Lieder - und auch die meisten Mitglieder der Band - stammen. Im selben Jahr wurde Slavko Ninic mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet.

 

 

wien.at, 2014
Goldener Rathausmann an die Wiener Tschuschenkapelle


Wien (OTS) - Seit 25 Jahren bereichern Bandleader Slavko Ninic und seine MusikerInnen die Wiener und die Österreichische Musikszene. Grund genug für den Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl, der Wiener Tschuschenkapelle seine Wertschätzung zu übermitteln - in Form eines Goldenen Rathausmannes. In Vertretung des Bürgermeisters überreichte Landtagspräsident Prof. Harry Kopietz den Rathausmann im Rahmen eines Konzerts in der Tschaunerbühne. Slavko Ninic war sichtlich überrascht. Die "Stürmischen Zeiten" - die Abschlussveranstaltung der Tschauner Bühne, mit der die heurige Saison beschlossen wird - bot den Rahmen.
Panonnien, die Länder des ehemaligen Jugoslawien, der südliche Balkan und die Türkei, Simbabwe und Mozambique, Marokko, Brasilien und Belgien bis Italien - keines dieser Länder ist zu fern, um Slavko Ninic nicht zu inspirieren. Seit einem Viertel Jahrhundert sind die Musikströmungen aus aller Herren (und Frauen) Länder zuhause - mitten in Wien. "Seit 25 Jahren ist Slavko Ninic und seine Wiener Tschuschenkapelle als Vermittler zwischen den Kulturen in Wien tätig. Sein Engagement hat dazu beigetragen, dass der ursprünglich abwertende Begriff 'Tschusch' salonfähig geworden ist. Mit ihren musikalisch-politischen Botschaften ist die Kapelle mittlerweile eine österreichische 'Institution' gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geworden", sagte Landtagspräsident Prof. Harry Kopietz bei der Überreichung des Rathausmannes an den Kapellmeister.

 

 

Die Presse, 2013

Balkangefärbte Weltmusik im Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz mit "Obertschusch" Slavko Ninić


"Balkangefärbte Weltmusik mit großer Hingabe, voller Humor und im im wachen Geist gelebter Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit" - genau so wird die Musik der Wiener Tschuschenkapelle rund um "Obertschusch" Slavko Ninić gerne beschrieben. Schon 1989 wurde die Formation gegründet - Anfang 2010 stellten sie "Haus am Wasser" vor, ihre "glaube ich zwölfte" CD (O-Ton Slavko Ninić).

Jedes Konzert der Formation ist eine Reise zu befreundeten Kulturen, ihre balkangefärbte Weltmusik reißt jedesmal von Neuem mit. Im Rahmen des Akkordeonfestivals tritt die Formation am Samstag, dem 16. März im Wiener Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz auf.

Die Wiener Tschuschenkapelle ist zentraler Bestandteil einer etwas anderen Musikweltkarte, die für das Internationale Akkordeonfestival den Bezugsrahmen stellt. Noch bis 24. März bietet das Festival ein buntes Programm - vom Konzert mit "Dobrek Bistro" bis zur Abschlussgala im Reigen.

 

 

Wiener Zeitung. Sa., So., 11./12.Februar 2012

„Weil Tschuschen seid’s eh“

Slavko Ninić ist ein Urgestein unter den Wiener Ethnomusikern

Von Stefan Beig

 

Wien. Festivals wie „Soho in Ottakring“ oder „Balkan Fever“ belegen: Die multikulturelle Musikszene ist aus Wien nicht mehr wegzudenken. Doch schon bevor der Hype begann, konnte Slavko Ninić vor mehr als 20 Jahren einen Platz im kulturellen Leben Wiens erobern, den er bis heute innehat. Er ist der Gründer und Bandleader der Wiener Tschuschenkapelle, die erstmals die Musik der „Gastarbeiter“ vom Rand ins Zentrum der heimischen Kunstszene geholt hat.
„Die Gastarbeiter haben zwar damals musiziert, aber nur in den eigenen vier Wänden: die Jugos in ihren Clubs, die Türken in den Cafés und die Griechen in ihren Tavernen“, erzählt Ninić. Das änderte sich mit der Gründung der Tschuschenkapelle im Jahr 1989. „Wir punkteten am meisten bei den Österreichern. In den Gastarbeiter-Kreisen waren wir in der ersten fünf Jahren hingegen ziemlich unbekannt“. Damals habe es in der Community auch noch nicht so viele Künstler gegeben wie heute.
Begonnen hat alles eher spontan. Slavko Ninić hat schon immer musiziert – sei es für Freunde oder für sich selbst. Als der gebürtige Kroate, der in Wien und in seiner Heimat Soziologie und Dolmetsch studiert hat, bei einer Beratungsstelle für Ausländer arbeitete, lernte er einen Wiener kennen, der Mandoline spielte, und einen Türken, der das Saz spielte. „Ich habe mich dazugesellt“. Die Beratungsstelle war ein auf Initiative des damaligen Sozialministers Alfred Dallinger entstandener Verein. "Damals ist man draufgekommen, dass viel zu tun ist. Die Zuwanderer bleiben hier, sie reisen nicht ab“, erinnert sich Ninić.

Gemeinsam mit seinen Arbeitskollegen machte er schließlich die Leidenschaft zum Beruf. Auf den Bandnamen sind sie im Lokal Makedonia gekommen. „Das war ein Stammbeisl am Naschmarkt, in dem sich die linke Szene getroffen hat. Dort haben wir uns getroffen, g’scheitlt und musiziert“. An der Namensgebung beteiligte sich das ganze Lokal. „Irgendwann hat wer gerufen: Ihr seid’s die Tschuschenkapelle, weil Tschuschen seid’s eh.“

Bereits von der ersten Aufnahme wurden ein paar tausend Stück gekauft. „Wir wollten kulturpolitische Inhalte vermitteln, betreffend die Gastarbeiter, ihre Kultur, Hintergründe, Probleme und die Migration. Auch wenn ich kein Gastarbeiter war, fühlte ich mich ihnen dazugehörig.“
Musikalisch wurde viel experimentiert. Griechische und Wienerlieder waren auch dabei, ebenso Eigenkompositionen. Die Gruppe, die auf bis zu acht Mitgliedern anwuchs, bestand aus vielen Österreichern. „Heute orientieren wir uns wieder mehr an der Tradition“, betont Slavko Ninić. Zurzeit kommen auch - von einer gebürtigen Bulgarin abgesehen – alle Bandmitglieder vom Balkan. „Zehn Jahre nach der Bandgründung hat es einen Bruch gegeben. Einige hatten keinen Spaß mehr. Dadurch fehlte die Freude auf der Bühne, die das Publikum braucht.“ Von den jetzigen Musikern könne er viel lernen, erzählt Slavko Ninić.

Am Samstag wird Ninić am Benefizkonzert „be one for Wan“ für die Erdbebenopfer der Stadt Wan teilnehmen. Neben anderen namhaften Künstlern wird auch Willi Resetarits dabei sein, mit dem Ninić schon oft gemeinsam aufgetreten ist. Überhaupt hat die Wiener Tschuschenkapelle schon mit vielen heimischen Musikgrößen musiziert, wie dem Kollegium Karlsburg oder dem Akkordeonspieler Otto Lechner, der auch auf der neuesten, mittlerweile zwölften CD vertreten ist, und zwar mit einem Lied von Arik Brauer. „Die ganze Wiener Szene war bei uns zu Gast“, meint Slavko Ninić. Sogar in der Staatsoper und mit den Wiener Philharmonikern ist die Tschuschenkapelle schon aufgetreten.

Zu den schweren Zeiten gehörte der Jugoslawien-Krieg: „Ich habe mich ziemlich mies gefühlt. Ich wollte zeigen, dass es eine schöne Kultur am Balkan gibt, habe auf der Bühne humorvolle Geschichten von dort erzählt, und gleichzeitig gab es die Schlagzeilen vom Krieg.“
Nicht so gerne spricht Ninić auch über den in der ex-jugoslawischen Community verbreiteten Turbofolk. „Das ist so etwas wie alpenländischer Kitsch, nur versucht es sich so darzustellen, als sei es das Einzige, Wahre und Schöne. Unwahrscheinlich, dass das so viele hören: Texte auf dem Niveau eines Erstklasslers und Melodien, die schon 1000 Mal geklaut worden sind. Ich weiß nicht, wer den Leuten so ins Hirn geschissen hat.“

„Wir sind auch Österreich.“
Künftig will Slavko Ninić international noch bekannter werden. Dabei ist die Tschuschenkapelle bisher oft im Ausland aufgetreten: „Wir haben die österreichische Kultur dort repräsentiert. Wir sind auch Österreich.“ Unter das heimische Publikum mischen sich heute viel mehr Menschen aus der türkischen und exjugoslawischen Community. „Es gibt dort heute viel mehr Künstler als früher, sogar Filmschaffende.“

Auch die EU habe zur Veränderung beigetragen. Kroatien wird ihr im nächsten Jahr beitreten. „Wien entwickelt sich wieder zur mitteleuropäischen Metropole. Lange Zeit wurden diese Länder nicht mal als Europa betrachtet, weil sie durch den Eisernen Vorhang getrennt waren.“

Seinen beiden Kindern bringt Slavko Ninić auch die Muttersprache bei. „Wenn die Kinder des Tschuschn-Bosses nicht Kroatisch können, ist das eine Niederlage.“ Als Soziologe wisse er aber, dass das nur eine Generation bleiben wird. „Die Kinder meiner Kinder werden meine Muttersprache kaum können. Darauf habe ich keinen Einfluss, noch möchte ich ihn haben.“

 

 

Süddeutsche Zeitung, 29.4.07
Auf den Gipfeln des Balkan
Die „Wiener Tschuschenkapelle“ spielt sich in die Herzen des Seeshaupter Publikum
Von Reinhard Palmer


Seeshaupt. Hätte man sich in der Seeshaupter Seeresidenz Alte Post einen kulturell nicht nur vergnüglichen, sondern auch lehrreichen Abend erhofft, so wäre man genauso wenig enttäuscht gewesen. Zwar tat sich die „Wiener Tschuschenkapelle“ mit den Grenzen des Balkans nicht weniger schwer, und zog sie kurzerhand von Griechenland bis Russland. Doch genau darin liegt auch die Erklärung für das Dilemma, das in den künstlerischen Erscheinungsformen so deutlich auf der Hand liegt. Nicht nur Musik kennt eben keine Grenzen, Musikanten schon gar nicht. Ein ganzes Orchester könnte die Kapelle mittlerweile mit ehemaligen und aktuellen Mitspielern der 18 Bestehensjahren aus allen möglichen, musikalisch irgendwo den Balkan tangierenden Völkern bestücken. Die unterschiedlichsten Mentalitäten und Temperamente verbergen sich dahinter, die denn auch in einer Vielfalt an musikalischen Ausdrucksweisen zu spüren waren.
Nicht zuletzt aber auch in der Moderation des kroatischen Sängers, Gitarrenspielers und Kapellenbegründers Slavko Ninic, in der schon mit charmant beiläufiger Abschätzigkeit kokettierend, eine Menge Sinn für die Nuancen der kulturellen Unterschiede lag. Natürlich überspitze er humorvoll, was ihm auch im vollen Saal eine Menge Sympathie einbrachte, aber auch an die Zeiten erinnerte, als Serben, Kroaten oder Bosnier noch vom selben Wein am selben Tisch tranken. Aus Spaß wurde bitterer Ernst – und genau auf den hat es Ninic abgesehen. Aber auch auf das vermeintlich schlechte Ansehen der Slawen in Wien, die eben als „Tschuschen“ verschrein, den Charme der Stadt mitgeformt haben, doch dafür nicht gerade Beliebtheit ernten. Sie sind die pikanten Zutaten im Schmelztiegel, die auch in der Kapelle für die besondere Würze sorgen. Etwa Bulgaren, wie Maria Petrova, die sich nach klassischer Ausbildung auch vom Siebenachtel-Takt nicht im Geringsten beeindrucken lässt oder die Serben, wie der Kontrabassist Jovan Torbica, der den Rhythmen sinnliche Substanz gab. Das sind ebenso die Mazedonier: Hidan Mamudov, auch klassisch ausgebildet, spielt grandios Klarinette. Natürlich gehören auch Roma dazu, in der Kapelle vertreten durch Mitke Sarlandziev, der neben ekstatischem Akkordeonspiel auch eine sonore Stimme beisteuerte. Was sie in der Kapelle verbindet, ist die Begeisterung für Musik, für Lieder, für die musikantische Erdung. Entscheidend blieb die Lust für all die Stimmungen zwischen Melancholie, Liebe, Leid, und Freude auszuleben. Frenetischer Applaus und zwei zigeunerische Mitreißer als Zugabe.

 

 

Münchner Merkur, 30.4.07
Melodien gingen runter wie Slibowitz
Von Inge Beutler


Seeshaupt – Wer am Donnerstagabend in der Seeresidenz „Alte Post“ in Seeshaupt vor allem „Wiener Schmäh“ erwartete, lag falsch. Trotzdem begeisterte die „Wiener Tschuschenkapelle“, die von der Donau an den Starnbergersee gekommen war, der im Abendsonnenschein das richtige Ambiente bot, rund zwei Stunden das Publikum, das nicht mit Beifall sparte. Sie war würzig und spritzig, die Melodien gingen runter wie Slibowitz.
Schwungvolle Rhythmen wechselten ab mit wehmütigen Balladen. Mit witzigen Arrangements und technischer Perfektion frischte die Kapelle alte Balkanweisen auf und schlug so eine Brücke zwischen traditioneller und moderner Musik. Einiger Wiener Weisen hatten die Gäste doch im Repertoire, und der 3/4 –Walzertakt und beispielsweise das weinselig-wehmütige Lied „Wann i amoi stirb“ fügten sich dezent in die Reihe der Zigeunerlieder, russischen Volksweisen, albanischen Tänze und kroatischen Folklore ein.
Wieder einmal zeigte sich, dass die Sprache der Musik international ist und Grenzen überwindet. Teils wurden die Texte von Ninic humorvoll übersetzt, aber selbst wenn man sie nicht verstand, waren Wehmut, Freude, Liebe oder Trauer zu spüren, die die „Pioniere heimischer Balkanmusik“ an ihren Instrumenten in Gesten und Mimik virtuos zum Ausdruck brachten. Ein besonderes Schmankerl von Mitke Sarlandziev (Akkordeon), Hidan Mamudov (Klarinette), Jovan Torbica (Kontrabass), und dem „Obertschuschen“, Gründer Slavko Ninic (Gesang, Gitarre) waren die unregelmäßigen Balkanrhythmen im 7/8- oder 9/8-Takt. Für das bayerische Ohr ein wenig ungewohnt, ließen sie – auch mit einem Blick auf den malerisch gelegenen See – Urlaubsgefühle aufkommen. Die begeisterten Zuhörer fühlten sich teilweise zum Tanzen animiert und erklatschten zwei schwungvolle Zugaben.

 

 

Südwind Magazin, 2007

Wr. Tschuschenkapelle & J. Petkovic: Bosanske Sevdalinke

Von Werner Leiss


Traditionelle Sevdah-Liebeslieder sind bestimmt nicht das eingängigste Liedgut, das auf dem Balkan so zu finden ist. Genauso wie die Tschuschenkapelle selbst völlig abseits des Balkan-Party-Trampelpfades gelegen, erinnern sie an das osmanische Erbe Bosniens. Eine muslimische Spezialität sind sie deswegen aber nicht, schon eher ein gesamtbosnisches Kulturerbe; Konfessionen spielen dabei keine große Rolle.
Slavko Ninic, mit dieser Liedform seit jeher verbunden, widmet sich auf dem neuen Album der Tschuschenkapelle nun ausschließlich der Sevdalinka. Es sind lyrisch-poetische Liedtexte, bei denen es wehmütig vor allem um unerfüllte und unglückliche Liebe geht. Die Stimme steht bei der Sevdalinka traditionell stets im Vordergrund. Daneben spielt das Akkordeon eine tragende Rolle, hier gespielt vom über 80-jährigen Altmeister der Sevdalinka, dem ebenfalls in Wien lebenden Jovica Petkovic. Wie sagt Slavko Ninic selbst so schön: „Diese Lieder, wie jede gute Musik, machen das Herz weicher und die Seele größer.“

 

 

Von Irene Strobl und Sabina Schebrak:

Die Wiener Tschuschenkapelle ist in Österreich eine der ersten Bands, die bewusst und heutig das Wiener Völkergemisch auf die Bühne bringt. Somit nimmt sie eine Vorläuferposition ein für zahlreiche zukünftige Projekte und KünstlerInnen, die nun mit einer neuen Selbstverständlichkeit in dieselbe Richtung agieren. (Beispiel: beim 2003 ausgeschriebenen Ethnomusikpreis gab es 88 Bewerbungen!).
Liedgut und Melodien aus den Heimatländern der Band sind auch Liedgut und Melodien eines Wiens, eines Österreichs der Jahrhundertwende. Auch wenn es sich dabei nicht um streng alpin-österreichisches, autochtones Kulturerbe handelt, so ist es doch ein Teil der multiethnischen österreichischen Alltagskultur.
Ausgangspunkt und Beginn der Wiener Tschuschenkapelle war jene Freundschaft unter Immigranten, die sehr bald mit aktiver politischen Arbeit verknüpft war. Die Gründungsmitglieder aus vorwiegend balkanischen Ländern sahen die Notwendigkeit, für ZuwandererInnen und deren Kultur einzutreten.
Dass Immigration nicht gleichzusetzen ist mit kultureller Assimilation, sondern dass das Bewusstsein um die eigene Kultur, Tradition und Sprache auch überlebensnotwendig ist, war der eigentliche Ausgangspunkt für die Gründung der Band.
Somit steht die Wiener Tschuschenkapelle auch für ein politisches Statement, untermauert durch regelmäßige Auftritte, Aktionen und Benefiz-Konzerte im humanitären und menschenrechtspolitischen Umfeld (z.B. Wiener Integrationshaus, Lichtermeer, SOS Mitmensch, Innsbrucker Flüchtlingsball)
Alle diese Zeichen setzten sie lange bevor Osterweiterung und Globalisierung Eingang in das Alltagsvokabular gefunden hatten. Noch bevor der Jugoslawien-Konflikt begann und die Notwendigkeit zur Aufnahme bosnischer, serbischer, kroatischer oder Kosovo-albanischer Flüchtlinge im wahrsten Sinne des Wortes vor unserer Türe stand, trat die Band für Integration und tolerantes Zusammenleben ein.
Heute ist die Wiener Tschuschenkapelle eines der Aushängeschilder für das „andere“, das weltoffene Wien. Sie spielt nach wie vor in kleinen Kellern und Gassenlokalen ebenso wie in großen Theatern, in der Wiener Staatsoper und zu feierlichen Anlässen im Parlament. Als Repräsentantin einer kritischen und bunten Wiener Kulturszene fährt sie auf Kulturaustausch von Makedonien nach Prag genauso wie von Simbabwe nach Rio de Janeiro.

 

 

Von Manfred Horak:

Der indische Philosoph, Maler und Nobelpreisträger für Literatur Rabindranath Tagore (1861-1941) sagte einst, die Nation sei eines der wirksamsten Betäubungsmittel, die erfunden wurden. Unter dem Einfluss seiner Dünste kann ein ganzes Volk systematisch sein Programm unverhüllter Selbstsucht ausführen ohne sich im Geringsten seiner moralischen Verderbtheit bewusst zu werden. Rabindranath Tagore nannte den Nationalismus auch eine Lehre des organisierten Egoismus. Der Inder hätte sicherlich eine Freude an der Tschuschenpartie rund um Slavko Ninic gehabt - die am Kirtag mit der kroatischen Sängerin und Flötistin Tamara Obrovac live auftreten werden - schon alleine weil auf der aktuellen CD der Wiener Tschuschenkapelle "Exil" (Extraplatte) 14 Lieder aus dem EU-Erweiterungsraum zu Gehör gebracht werden. "Es ist", wie Slavko Ninic einmal vermerkte, "Musik für Auserwählte, und zwar überall auf der Welt, die mit einem heißen Herzen in der Brust ausgestattet sind!" Die Musik der Tschuschenkapelle flutscht runter wie Slibowitz, pardon, Marille - wie sehr sie flutscht sieht man übrigens auch daran, dass die Wiener Tschuschenkapelle für die vorletzte CD "...und davon" den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt - und Slavko, der Sänger mit Hut und an der Gitarre, ist zudem ein zweifellos hervorragender Conferencier, denn schließlich ist Show das halbe Leben. Der Rest freilich ist harte Arbeit... Der Obertschusch Slavko Ninic hat seine Kapelle fast zur Gänze neu besetzt - man darf sich daher einen dementsprechend frischen Schwung im Spiel der eh schon von Grund auf feurigen Balkanrhythmen erwarten.

 

 

Von Richard Schubert, 2004:

Seit 15 Jahren die Pioniere des heimischen Balkanfolk: Die Tschuschenkapelle gehört zu Wien, wie der Schlag auf dem Apfelstrudel. Vor 15 Jahren begann der gelernte Soziologe Ninic, der es geschickt verstand, den rauen Charme eines slawonischen Traktorhändlers zu kultivieren, ein österreichisches Publikum mit der Herkunftsmusik der hunderttausenden GastarbeiterInnen zu konfrontieren, die da den heimischen Reichtum miterarbeiteten.
So sang er sich mit sonorem Tenor durch Pannonien, die Länder des ehemaligen Jugoslawien, den südlichen Balkan und die Türkei, mitreißende an Herz und Seele gehende Lieder, tat dies aber mit so viel Wärme, dass man sich anstatt der Pulsadern dann doch noch eine Flasche Sljivovica öffnen musste. Eine seltene Kunst. In der jüngsten Besetzung klingt die "Kapelle" südlicher denn je.

 

 

The Provokator Magazine, An Instigator Media Group Produktion, 2004

Von Guy Dowsett


Taking the Roxy stage on February 25th was Wiener Tschuschenkapelle, a group of immigrants from Southern and Eastern Europe who have gathered in Vienna to brew their own steaming vat of Balkan music. Stirred in was a variety of flavours including old Viennese folk – somehow evoking Gustav Mahler – and even a twist of Latino clave. All this served up with a unique, highly energising spice. Punters found themselves jumping, waltzing, then swivelling, some stumbling.
Despite the band’s prolific and prestigious recognition they carry a reputation for performing in tiny remote villages to those who can’t afford the concert hall. The ‘poorest of the poor’, as one ex-member has pointed out. This explains the mere 90 Kc admission price. Surprisingly the venue was at half capacity (didn't anybody know?!) but those there threw themselves around the floor and brought the band back out for a 4th encore.
Singer/guitarist and charismatic showman Slavko Ninic hosted the performance in a cocktail of Balkan language, dropping in the occasional Czech word. Some of us understood virtually nothing yet found ourselves laughing stupidly at his wit.

Throughout the show Martin Lubenov’s accordion never left his shoulders, despite the four encores. It seemed more an extension of him than his instrument. The music was expressed not only in his dynamic playing but his soulful face. Coming originally from Sofia, Lubenov celebrates his gypsy heritage in this and other projects. Keep an eye out for him. www.martinlubenov.com
Clarinettist Hidan Mamudovh, originally from Macedonia, invigorated the crowd with his jubilant and lip-smacking playing. Stopping just momentarily to pick up a saxophone, Mamudov continued to launch into solo after solo. Only during one, perhaps two of the slower tunes was he detected sneaking breath.
With Slavko Ninic´s brief departure from the stage came a display of instrumental solos. The most memorable was from Peter Struzenberger. Not often does a double-bass solo capture and drive a big crowd, but his was plucked, bowed, slapped and climbed its way out and out of itself. Chins all around began sideswiping to the raw smears of his grunting bass.
Loudest cheers were unleashed upon percussionist Maria Petrova. She delighted us not only with her emphatic playing but in the grace of her poise, perched up there on the cajon.
The word ´tschusch´ is a kind of derogatory term coined by Austrian puritans to label ethnic minority immigrants. The name Wiener Tschuschenkapelle, ie. ´tschusch´s singing in Vienna, is a politically charged irony. The music itself is a celebration of borderlessness and cultural integration.
Don’t miss them next time.

 

 

Von Georg Reittner, 2004:

„Die ham was los!“ rief ein Begeisterter - und dem kann man nur zustimmen: Das Konzert der Wiener Tschuschenkapelle war Höhepunkt und Abschluss des Festes "15 Jahre ABZ ArbeiterInnen-Begegnungs-Zentrum" in Itzling. Immer wieder ein Erlebnis: Der „Patriarch mit Hut“, Slavko Ninic, der sich nicht zu gut ist, selbst Hand anzulegen, wenn’s um den Bühnenauf- und abbau geht. Mit seiner unnachahmlichen Art, Liedertexte aus verschiedenen slawischen Sprachen humorvoll zu erklären, eroberte er auch dieses Publikum im Sturm. Slavko Ninic und die Seinen feiern heuer ebenfalls: das 15jährige Bestehen der (Alt-Tschuschen)Kapelle. Martin Lubenov, Akkordeonist der Extraklasse, Hidan Mamudov, Klarinette und Saxophon, Peter Strutzenberger, Kontrabass und die blutjunge Percussionistin Maria Petrova lieferten ein Feuerwerk an Musikalität und Ensembleleistung, die jeden im Saal mitreißen musste. Elemente des Jazz, der Klassik und der lateinamerikanischen Musik vermischten sich mit den Balkan-Klängen auf originelle, ja erfrischende Art und Weise. Gratulation an Slavko zum 15-Jahre-Jubiläum und zum Mut „musikalisch nicht stehen geblieben zu sein“.

 

 

Wienweb, 2003
Wiener Tschuschenkapelle - "Exil"


Heimatverlust, eine neue Heimat, Oase im Schnee oder in der Wüste. Welche Bedeutung man dem Wort "Exil" auch geben mag - mit ihrer Musik weckt die Wiener Tschuschenkapelle Sehnsüchte - von "Tschuschen" und auch "Nicht-Tschuschen". Band-Leader und Sänger Slavko Ninic beschreibt seine Hörerschaft: die Musik ist an alle, die mit "einem heißen Herz in der Brust" ausgestattet sind, adressiert. Auf ihrer neuen CD "Exil" (erschienen auf "extraplatte") bringt die Wiener Tschuschenkapelle den Balkanexpress bereits zum sechsten Mal in Fahrt: Virtuose Akkordeon und Klarinetten-Solos im 7/8 und 9/8 Takt, vom griechischen Rembetiko über Zigeuner-Jazz bis hin zur Klassik - kurzum: "Folklore und Weltmusik" voller Spielfreude.
"Exil" beginnt mit einer Schlittenfahrt ("Zimska noc", Rumänische Volksweise), macht Stop in Rio ("Latino Tschusch"), bei der Allerliebsten um Mitternacht ("Puste su kale", Dalmatien, Kroatien) , ehe die Reise wieder in einer verschneiten Landschaft endet (" Trojka", Russland). Humorvoll und voller Ironie werden alte Weisen ("Mein Mädchen hat keinen Fehler, außer zwei Andere") vorgetragen. Auch wenn es um eine Alterskrise und um eine verlorene Liebe geht ("Wenn meine Jugend vergeht, werde ich auf Dich warten, um Dich zu fragen, ob Du mich noch liebst") - die Interpretation ist charmant und stets mit einem Augenzwinkern bedacht. In einem anderen Lied, "Trite pati" (Bulgarien), müssen "Burschen dreimal barfuß über heiße Kohlen laufen, ehe sie das vierte Mal dasselbe mit der Auserwählten in den Armen dürfen": hektisch rasseln die Tschinellen, Klarinette und Akkordeon tänzeln auf Zehenspitzen.
Traditionelle und moderne Musik verschmelzen - schwungvolle Rhythmen wechseln sich mit Serenaden ab. Gesang, Gitarre (Slavko Ninic), Klarinette (Hidan Mamudov) und Harmonika (Martin Lubenov) tragen die 14 Stücke. Die tiefen Saiten zupft Jovan Torbica. Percussion spielt Maria Petrova, eine junge Studentin der Wiener Musikhochschule. Unterstützung erhalten die "Ober-Tschuschen" durch Haydar Sarı. Der Türke singt und begleitet sich selbst am Saz ("Zülüf dökülmüs yüze"). Auf dem bosnischen "Orli i sokoli" spielt Balkan-Star Jovica Petkovic das Akkordeon. Der 76-Jährige hat viele große Sänger aus dem ex-jugoslawischen Raum begleitet und für sie Lieder geschrieben. Auch ist eine seiner Kompositionen auf "Exil" vertreten - was sich erst im Laufe der Aufnahmen heraus stellte. Die Tschuschenkapelle war davon ausgegangen, dass es sich um ein traditionelles Lied handle, ehe der bescheidene Petkovic mit der wahren Entstehungs-Geschichte herausrückte.

 

 

Von Friedl Preisl, 2003:

Mit ihrer neuen Besetzung ist die Wiener Folk-Institution "Tschuschenkapelle" noch weiter nach Süden vorgedrungen, dorthin, wo der Balkan am balkanischsten klingt. Der neue Sound verdankt sich maßgeblich zwei jungen Musikern aus der Roma-Tradition: dem Klarinettisten Hidan Mamudov aus Mazedonien und dem Akkordeonisten Martin Lubenov aus Bulgarien. Der erst 25-jährige Lubenov zählt neben den Größten des bulgarischen Akkordeons auch Art van Demme und Richard Galliano zu seinen wichtigsten Einflüssen, studierte Musik in Sofia, in Wien und am Berkelee College of Music in Boston und pflegt auch enge Kontakte zur progressiven bulgarischen Ethnojazzszene.
Bandleader Slavko Ninic wird die Ehre haben, auch heuer - so wie die letzten zwei Jahre - eine der legendären Figuren der jugoslawischen Akkordeonmusik auf die Bühne zu bitten: Jovica Petkovic - mehr als nur ein Virtuose. Wie wir bereits im Programmfolder 2001 anmerkten, zollt vor allem die muslimische Bevölkerung "diesem serbischen Bürger Sarajevos Respekt, der sich um die Karrieren so vieler bosnischer SängerInnen verdient machte, wie wenige andere in seiner kulturübergreifenden musikalischen Passioniertheit und seiner Verachtung von Nationalismus die Lichtseiten des alten Jugoslawien verkörpert."